«Alles selfmade»

Mit einem neuen Restaurant die Solothurner Vorstadt beleben

06.12.2023, 09:08 Uhr
· Online seit 01.12.2023, 18:14 Uhr
Im oberen Winkel, wo früher noch «Zum Chregu» stand, gibt es nun ein neues Restaurant. Der Inhaber findet: Es braucht ein neues Lokal. Denn Solothurn sei kulinarisch «etwas festgefahren».
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Noch ist es ruhig am oberen Winkel 3 in der Solothurner Vorstadt. Doch der Schein trügt. Im frisch renovierten Lokal gegenüber des alten Spitals werden in der Küche Kartoffeln von Hand zu Pommes-Frites verarbeitet, auf dem Herd brutzeln Zwiebeln, daneben wird Salzwasser aufgekocht. Letzte Gläser werden geputzt und poliert.

«Freunde sind die ehrlichsten Gäste»

Vor dem Herd steht Thomas Christen. Der Pächter des neuen Restaurants Ässgass lächelt zufrieden. Denn der 32-Jährige kann sich mit dem Lokal einen Lebenstraum erfüllen. Und doch: Aufgeregt ist er, wenn er von technischen Pannen spricht. Am Vortag sei der Strom ausgefallen. «Das Kochen und das Servieren ist das einfachste», sagt er lachend. Alles drumherum, das seien die Herausforderungen. Die ganzen Arbeiten daneben, bis man einen Internetanschluss habe, der Strom funktioniere, alle Formulare ausgefüllt sind und er die Bewilligungen habe – das sei «in Solothurn schlimm». Gerade mit der ganzen Bürokratie. Verständlich, denn es ist das erste Mal, dass Christen als Pächter solche Dinge erledigen musste.

Mittlerweile sind die Stromprobleme behoben. Am Abend vor dem grossen Eröffnungstag konnte das Team ein Probeessen veranstalten. Die Tester waren Freunde von ihm. «Freunde sind die ehrlichsten Gäste», sagt Thomas Christen. Durch den Probedurchgang konnte das Team herausspüren, was funktioniert und was eben nicht. «Nun sind wir bereit», sagt der Pächter selbstsicher.

Schweizer Küche mit mehr Pepp

Regional und selbstgemacht, das ist die Devise in der Ässgass. «Bei mir kommt alles aus dem Umkreis von 20 Kilometern. Der Wein beziehen wir beispielsweise aus Selzach, das Gemüse vom Buechihof in Leuzigen.» Nur den Iberico Bellota-Schinken importiert er aus Spanien.

Der Hauptfokus seiner Küche liegt auf der Schweizer Küche. Es gibt hier aber nicht klassische gutbürgerliche Speisen. Denn hier werden die Rezepte modernisiert, anders gewürzt, weg von der Tradition und «eine Stufe weiter», wie er selbst sagt. Anders gesagt: Schweizer Küche mit mehr Pepp. Dazu will er komplett auf «Püuferli», also Konservierungsstoffe, verzichten.

Platz haben in der Ässgass 24 Personen. Im Sommer, wenn die Terrasse aufgeht, sollen dann 16 Gäste zusätzlich Platz nehmen können. Dann werde sich Thomas Christen auch überlegen, noch mehr Personal einzustellen. Denn zu Beginn steht er allein mit einer Aushilfe in der Küche. Und alles selbst zu machen, das ist auf Dauer ein hoher Arbeitsaufwand.

Die Vorstadt beleben

Selbstgemacht werden hier die Pommes Frites, Nudeln, ja sogar die Cremeschnitten. Das kostet natürlich auch etwas. «Vom Preis her befinden wir uns eher im höheren Segment», sagt Christen. Aber Qualität habe eben seinen Preis. Und trotzdem verzichtet er auf «Schickimicki», vor allem bei der Einrichtung. Das Lokal ist eher schlicht und einfach gehalten – aber modern. Christen kommentiert: "Das entspricht dem heutigen Zeitgeist.»

Thomas Christen sieht sich und die Ässgasse als Randnische. Er biete etwas an, dass vor ihm in Solothurn noch niemand anbietet. Deshalb brauche es genau so ein Restaurant in der Barockstadt. Etwas anders sind auch die Öffnungszeiten im Vergleich zu anderen Restaurants. Der ehemalige Chefkoch des Pier 11 legt die Ruhetage auf Dienstag und Mittwoch. Dadurch will er vor allem am Sonntag und Montag mehr Leute in die Vorstadt ziehen. «Dieser Stadtteil ist sonntags nahezu tot», so Christen.

Wie sein neues Konzept hierzulande ankommt, wird sich zeigen. Solothurn gilt in einigen Belangen als «eher etwas festgefahren». Das sieht auch Thomas Christen so. Doch als Stadtsolothurner liebt er seine Heimat und ist überzeugt, dass sich sein Restaurant füllen wird – auch wenn es etwas Zeit brauchen wird.

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veröffentlicht: 1. Dezember 2023 18:14
aktualisiert: 6. Dezember 2023 09:08
Quelle: 32Today

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