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Flowerpoint ist Konkurs: So viele Mitarbeitende muss die Berner Blumenladenkette entlassen

«Man steht vor dem Nichts»

Das bedeutet der Konkurs: Flowerpoint entlässt 38 Mitarbeitende

· Online seit 12.02.2024, 06:30 Uhr
38 Mitarbeitende muss die Berner Blumenladenkette Flowerpoint entlassen. Das gab das Gründerehepaar auf Anfrage von BärnToday bekannt. Letzten Mittwoch wurde publik, dass das Blumenunternehmen konkurs ist. Grund für die Überschuldung seien unter anderem die Coronakrise und die steigenden Betriebskosten.
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38 Mitarbeitende verlieren ihren Job. Das bedeutet der Konkurs der Berner Blumenladenkette Flowerpoint, wie das Gründerehepaar, Bruce und Elisabeth Locher, am Wochenende auf Anfrage von BärnToday bekannt geben. Am 1. Februar wurde ein Verfahren eröffnet.

Am Mittwoch veröffentlichte das Amtsblatt des Kantons Bern eine vorläufige Konkursanzeige der Firma «Alohag GmbH». Dieses Unternehmen betrieb die Filialen von Flowerpoint in Gerlafingen, Biel, Zollikofen, Bern, Gümligen, Belp, Heimberg sowie in der Stadt Thun.

Corona, Baustellen und steigende Betriebskosten

Der Grund für den Konkurs von Flowerpoint war bis anhin unklar. Nun geben Bruce und Elisabeth Locher schriftlich bekannt, dass unter anderem die Coronakrise dazu geführt habe, dass das Unternehmen Konkurs anmelden musste. «Nach der Coronakrise erholte sich die Blumenbranche nur langsam. Einige Standorte konnten bald wieder ihren Umsatz steigern, andere brauchten mehr Zeit», schreiben Lochers.

Ausserdem seien zwischen 2021 und 2023 fünf Standorte davon betroffen gewesen, dass vor den Filialen gebaut wurde. Dies habe die «Umsätze leider auch negativ beeinflusst», so die Inhaber von Flowerpoint. Ebenso hätten die Umsatzrückgänge sowie die allgemein gestiegenen Betriebskosten, welche nicht auf die Kundschaft hätten abgewälzt werden können, zu einer Schieflage und letztendlich zum Konkurs von Flowerpoint geführt.

«Man steht vor dem Nichts»

Der Konkurs sei für die Familie schlimm, schreiben die Lochers. «Man hat alles an Geld, Zeit und menschlichen Ressourcen investiert und verliert alles», so die Gründer. Nun stehe man «vor dem Nichts».

Man habe «alles getan, um eine Krise zu vermeiden oder zu überwinden», als das Unternehmen in Schieflage geriet. «Manchmal sieht man aber die Situation nicht objektiv genug», sagen Elisabeth und Bruce Locher rückblickend.

Ein weiterer Schlag sei, dass der Konkurs kurz vor dem Valentinstag am 14. Februar passierte. «Das ist schlimm. Auch darum, weil man viele Kundinnen und Kunden enttäuschen muss, die Blumen vorbestellt hatten», so Lochers.

Mit Blumen vom Bauernhof hat alles angefangen 

2002 hatte alles angefangen. Damals stand Elisabeth Locher mit einem Marktanhänger auf dem Bärenplatz am «Märit» und verkaufte die ersten Blumen. «Da zum Starten die nötige Liquidität eingeschränkt war, musste sich meine Frau mit einfachen Mitteln helfen. Zum Glück ist sie auf einem Bauernhof aufgewachsen und konnte so die benötigten Blumen teilweise selber produzieren, mit Deko-Material improvisieren und so die Entstehungskosten tiefer halten. Auch unterstützten sie ihre Mutter und ihr Vater tatkräftig», erinnert sich Bruce Locher.

«Mit der Zeit wurde es dann doch zu viel, da immer mehr Schnittblumen benötigt wurden», schreiben die Gründer. Doch das Geschäft florierte und die Firma wuchs. 2016 betrieb das Blumenunternehmen 13 Filialen, die im Seeland, in der Region Bern und im Berner Oberland ansässig waren.

Angestellte waren «schockiert»

Seit mehreren Tagen werden nun keine Blumen mehr in den Flowerpoint-Filialen verkauft. Bruce und Elisabeth Locher schreiben, dass auch die 38 Mitarbeitenden «schockiert und mit Unverständnis» auf den Konkurs reagiert haben. «Die Angestellten waren über die angespannte Situation informiert, trotzdem kam der Konkurs überraschend», schreiben die Gründer.

Laut der Inhaberfamilie durchlebte das Unternehmen Flowerpoint schon einige Krisen. In der Vergangenheit fand man aber «immer eine Lösung, damit es weiterging. Dieses Mal leider nicht», so Lochers.

Über den Konkurs ist man auch in der Stadt Thun überrascht, wo zwei Flowerpoint-Filialen standen. Dies zeigt der Besuch bei einer Konkurrentin von Flowerpoint im Video:

Quelle: TeleBärn / Angus MacKenzie / BärnToday / Jan Bernhard / Warner Nattiel

«Unsere Zukunft ist ungewiss»

Elisabeth und Bruce Locher bestätigen, dass der Insolvenzprozess am laufen sei. Die Firma «Alohag GmbH» wird aus dem Handelsregister gelöscht, sobald das Verfahren abgeschlossen ist.

Wie es für die Gründerfamilie weitergeht, ist unklar. Klar, man habe sich schon Gedanken gemacht, «da ist aber noch nichts Konkretes dabei», sagen die Geschäftsführer. «Unsere Zukunft ist ungewiss.»

Ebenso ungeklärt ist, wie es für die neun geschlossenen Filialen von Flowerpoint weitergeht. Das Ehepaar hofft darauf, dass «es viele mutige Floristinnen und Floristen gibt, die die geschlossenen Filialen als ihre Chancen sehen» und die Geschäfte wiedereröffnen. Denn: «Der Beruf als Florist/in ist nicht nur ein Job, sondern eine Berufung, die das Leben bereichert», so Lochers.

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veröffentlicht: 12. Februar 2024 06:30
aktualisiert: 12. Februar 2024 06:30
Quelle: BärnToday

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