Igel und Co.

Milder Winter: Wie geht es Wildtieren bei diesen Temperaturen?

12.02.2024, 09:44 Uhr
· Online seit 11.02.2024, 08:40 Uhr
Die letzten Tage erinnern eher an Frühling als an Winter – und das Anfang Februar. So ist es auch nicht unwahrscheinlich, wenn du einen Igel durch deinen Garten spazieren oder eine Biene vor dem Fenster fliegen siehst. Aber wie reagierst du richtig?
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Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, der Schnee im Flachland ist geschmolzen: Die Temperaturen sind für diese Jahreszeit eher hoch, aber kürzere Wärmeperioden gebe es im Winter oft, sagt Elia Heule, Zoologe, Leiter Umweltbildung und In-situ-Artenschutz beim Walter Zoo in Gossau.

«Es ist also nicht aussergewöhnlich, dass beispielsweise die Igel manchmal aus ihrem Winterschlaf erwachen.» Je nach Standort des Winternests scheint mehr oder weniger Sonne darauf – und durch die Wärme erwachen die Igel.

Manche Igel erwachen nämlich sowieso öfters – um beispielsweise ihre Blase zu entleeren oder das Nest zu wechseln – andere schlafen eher durch. Wenn also ein Igel durch deinen Garten spaziert, musst du nicht gleich handeln: «Zuerst sollte man beobachten, wie sich der Igel verhält und wie er aussieht. Wirkt er fit und gut genährt, muss nicht eingegriffen werden.» Wirkt der Igel eher schwach und abgemagert, soll man sich an eine Igelpflegestation wenden – denn Fachleute wissen, wie der individuelle Fall zu behandeln ist.

Sehr wichtig: «Man sollte den Igel auf keinen Fall einfach packen und mitnehmen», weiss Heule.

Winterneste in Ruhe lassen

Derzeit ist es wichtig, auch die Winternester der Tiere in Ruhe zu lassen. «Wenn man weiss, dass in einem Laubhaufen ein Igel überwintert, soll man diesen einfach so lassen. Auf keinen Fall sollte nachgeschaut werden, ob er noch drin liegt – denn das könnte die Tiere aufwecken, was zusätzliche Energie braucht», so Heule.

Nur schon das Aufwachen verbrennt Energie, die der Insektenfresser im Winter gut gebrauchen kann. Denn Nahrung ist in der normalerweise kalten Jahreszeit Mangelware.

Der unterbrochene Winterschlaf hat – vor allem für gut genährte Igel – keine weiteren Folgen, sofern sie anschliessend weiterschlafen oder -ruhen können.

Insekten und Spinnentiere mögen es kalt

Wenn die ersten Schneeglöckchen und Krokusse zu sehen sind, sind sehr wahrscheinlich auch schon die ersten Bienen unterwegs, wie der St.Galler Insektenexperte André Mégroz sagt. «Ab ungefähr zehn bis zwölf Grad wagen sich Bienen aus ihrem Stock heraus.»

Bienen machen nämlich keinen Winterschlaf, sondern bilden in ihrem Stock eine Art Traube, in der sie sich gegenseitig wärmen. Im Bienenstock sind es im Winter angenehme 25 Grad warm.

Hilfe brauchen die Bienen keineswegs: «Auch wenn sie im Winter unterwegs sind, wissen sie genau, wann sie wieder zurück in den Stock müssen.» Füttern muss man die Bienen ebenfalls nicht, da sie normalerweise genügend Vorrat im Stock anlegen. Wenn der Imker jedoch sieht, dass der Honig knapp wird, füttert er seine Bienen.

Weniger Zecken dieses Jahr?

Es gibt aber auch die «Warmduscher», wie sie Mégroz liebevoll nennt: «Dazu gehören beispielsweise gewisse Spinnen- und Wanzenarten, die sich in die Wohnhäuser zurückziehen. Auch Marienkäfer überwintern in Scharen in einer wärmeren Umgebung.» Die Marienkäfer sammeln sich in Gruppen, um sich im Frühling möglichst schnell zu paaren.

«Ich wurde schon angerufen, als sich 1000 Marienkäfer im Treppenhaus befanden. Aber keine Sorge, die machen nichts, sondern überwintern nur», so Mégroz.

Alle Insekten und Spinnentiere brauchen im Winter ebenfalls keine menschliche Hilfe und ernähren sich selbst.

Gute Nachrichten für Wanderer und Hundebesitzerinnen: Zecken haben es am liebsten, wenn es über den Winter eiskalt ist. «Wenn es immer wieder warm wird, strapaziert das die Zecken viel mehr. Man geht davon aus, dass es nach kalten Wintern mehr Zecken gibt.» So sind in diesem Sommer wohl weniger Zecken unterwegs.

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veröffentlicht: 11. Februar 2024 08:40
aktualisiert: 12. Februar 2024 09:44
Quelle: FM1Today

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