Im Torrausch

«Jesus aus der Schweiz» – dieser Grenchner rockt gerade Österreichs Fussball

19.05.2023, 07:39 Uhr
· Online seit 19.05.2023, 06:54 Uhr
Haris Tabakovic aus Grenchen ist in der Schweiz vom Radar der Fusballöffentlichkeit fast verschwunden. Der frühere YB-Stürmer sorgt dafür in unserem östlichen Nachbarland für dicke Schlagzeilen. Seine Torquote in diesem Frühling ist besser als jene von Erling Haaland.
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Haris Tabakovic? Leuten, die den Fussball verfolgen, dürfte der Name nicht gänzlich unbekannt sein. Der bald 29-jährige Grenchner spielte lange im Nachwuchs und in der ersten Mannschaft der Berner Young Boys. Auch in der Schweizer Junioren-Nationalmannschaft kam Tabakovic zu diversen Einsätzen. Der Durchbruch im Klub gelang ihm jedoch zunächst nicht, bei YB hatte er nie einen Stammplatz.

Der Weg des 1,94 Meter grossen Stürmers führte danach via Wil und GC nach Ungarn, wo er zwischen 2017 und 2020 spielte, wobei er eine ganze Saison verletzt aussetzen musste. Die ungarische Liga wird hierzulande allerdings kaum beachtet.

2020 dann folgte der Wechsel nach Österreich, zu Austria Lustenau gleich hinter der Schweizer Grenze in Vorarlberg. Diesen Verein bombte Tabakovic fast im Alleingang in die oberste Liga, in 46 Ligaspielen für Lustenau gelangen ihm 45 Tore. In der Aufstiegssaison wurde er Liga-Torschützenkönig und avancierte zur Klublegende.

Durchbruch bei Austria Wien

Es folgte der Wechsel zum Traditionsverein Austria Wien - wo Tabakovic im letzten Herbst nochmals die harte Seite des Fussballgeschäfts erlebte: Kaum Einsätze, wenig Selbstvertrauen und nur zwei Tore. Ein Trainerwechsel im Winter von Manfred Schmid zu Michael Wimmer veränderte alles, seither ist Tabakovic nicht zu bremsen. In den letzten 12 Spielen traf er sagenhafte 15 Mal. Solche Quoten erreichten nicht einmal Superstars wie Robert Lewandowski, Kylian Mbappé oder Erling Haaland.

Die österreichischen Medien können sich vor Begeisterung fast nicht mehr einkriegen, vor allem nach Tabakovic' Hattrick am Sonntag im Stadtderby gegen Rapid Wien.

«Derbyheld als Kultfigur» titelten die Kollegen der «Krone». Tabakovic ist gerade der Mann der Stunde in der austriakischen Fussballszene. In zwei Stadtderbys dieses Jahr traf er sechsmal, gegen Rapid, das war zuvor noch keinem Spieler gelungen.

Ein Thema für die Schweizer Nati?

Für einen Titel wird es Austria Wien nicht reichen, aktuell steht der Klub mit den violetten Leibchen auf Rang 4. Tabakovic könnte hingegen ein Thema werden für die Schweizer Nationalmannschaft, schliesslich spielte er in der Junioren-Nati unter dem heutigen Nationalmannschaftsdirektor Pierluigi Tami.

Tabakovic ist am effektivsten, wenn er von den Flügeln mit Bällen versorgt wird, die er mit seiner Kopfballstärke und Kaltblütigkeit versenkt. Es wäre eine schöne Geschichte für den Grenchner, der es über Umwege doch noch in die grossen Fussball-Schlagzeilen geschafft hat.

Allerdings könnte er auch für sein zweites Heimatland, für Bosnien, auflaufen. Seine Ambitionen legte er kürzlich recht offen auf den Tisch.

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veröffentlicht: 19. Mai 2023 06:54
aktualisiert: 19. Mai 2023 07:39
Quelle: 32Today

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