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«Hatte Angst, nach draussen zu gehen»: So ging es Mathias Flückiger nach den Dopingvorwürfen

Dopingverdacht

«Hatte Angst, nach draussen zu gehen»: So ging es Mathias Flückiger nach den Dopingvorwürfen

02.03.2023, 17:04 Uhr
· Online seit 02.03.2023, 10:01 Uhr
Der Mountainbiker Mathias Flückiger war vier Monate lang wegen Dopingverdachts gesperrt. Heute haben Flückiger und sein Team erstmals Stellung zum Fall bezogen. Flückiger erzählt, wie am 18. August 2022 für ihn die Welt zusammenbrach.

Quelle: CH Media Video Unit / Katja Jeggli

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Es ist 10 Uhr Vormittag in Ittigen im Haus des Sports im Raum «Fairplay». Der Profisportler Mathias Flückiger, der Rechtsanwalt Thilo Pachmann und der wissenschaftliche Berater Matthias Kamber erzählen ihre Sicht auf die Doping-Vorwürfe. Die Swiss Sport Integrity (SSI) hat aus ihrer Sicht klare Fehler begangen.

Begonnen hat der Fall im Juni 2022. Damals bei den Crosscountry-Rennen wird dem Oberaargauer und mehrfachen Medaillengewinner an Weltmeisterschaften eine Doping-Probe entnommen. Am 18. August, direkt vor den Europameisterschaften in München, erhält Flückiger die Nachricht von der positiven Probe. Für vier Monate wurde er daraufhin provisorisch gesperrt, bis die Disziplinarkammer von Swiss Olympic schliesslich im Dezember das Vorgehen als Fehler wertete und die Sperre aufhob.

Es könnte Kontamination sein

Es sei lediglich eine ganz kleine Menge Zeranol gefunden worden. So Kamber: «Die Menge, die festgestellt wurde, entspricht etwa einem Gramm Zucker, das in einem Schwimmbecken aufgelöst wurde.» Es deute auf eine sogenannte Kontamination hin. Die positive Probe war «atypical». Die Sperre der SSI kam deshalb völlig verfrüht. Stattdessen hätte sie mit der sogenannten «Stakeholder Notice» der Wada weitere Untersuchungen anstellen sollen. «Dies sind neun weitere Untersuchungsschritte, die dazu da sind, um den Umgang mit Kontaminationen klar und fair zu regeln», erklärt Kamber.

Zeranol bringt als Dopingmittel nichts

Was bei Zeranol auch zu berücksichtigen sei: Es bringe einem Sportler als Dopingmittel eigentlich nichts, es erhöhe keine Leistungen. «Zeranol ist kein typisches Anabolikum und wirkt sogar eher negativ. Deswegen spielt es quasi keine Rolle im Sport. Und auch für die Mikrodosierung ist Zeranol nicht geeignet», führt Kamber aus. Kamber überführte drei Jahrzehnte lang Sporttreibende des Dopings. Als er von Flückigers Fall hörte und merkte, dass ein Fehler vorliegen musste, entschloss er sich, ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Flückiger spricht von tiefem Einschnitt

«Als mir mitgeteilt wurde, dass eine Probe positiv sein soll, erlebte ich die schlimmste Zeit meines Lebens. Es war ein riesiger Schock», erinnert sich Flückiger an den 18. August zurück. «Alle meine Erfolge waren plötzlich nichts mehr wert.» Auch seien seine Werte infrage gestellt worden und man habe ihm nicht mehr geglaubt. Lange habe er keine Hoffnung mehr gehabt und nicht gewusst, ob er die Last tragen könne. «Und ich hatte auch Angst, nach draussen zu gehen, Menschen zu begegnen, die mich verurteilen, obschon ich nichts gemacht habe.» Er hat damals auch nicht gewusst, ob er jemals wieder aufs Rad steigen würde.

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Inzwischen hat er nicht nur die Liebe zum Mountainbike wieder gefunden, sondern auch wieder Zuversicht gefasst. Er hat Hoffnung, dass es auch gut kommen könnte. Aber dennoch ist die Angst da, dass es auch anders sein könnte. Er nimmt deshalb einen Tag nach dem anderen. «Ich hoffe auf alle Fälle, dass ich irgendwann wieder befreit und ohne Rucksack an die Startlinie gehen kann und einfach das tun kann, was ich liebe: Velofahren.»

Mathias Flückiger lebt im Moment von seinem Ersparten, das Verfahren ist nicht nur psychisch eine Belastung, sondern kostet auch viel Geld. Flückiger plant am 19. März in Gränichen in die Saison zu starten. Sein erstes Rennen ist er aber bereits ganz spontan am letzten Wochenende im Trainingslager gefahren.

Die genauere Untersuchung der SSI ist noch im Gange. Am 10. Februar hat sie in diesem Rahmen Flückiger befragt. Dabei ging es darum, wie es zu einer Kontamination hätte kommen können.

Die Medienkonferenz als Ganzes:

veröffentlicht: 2. März 2023 10:01
aktualisiert: 2. März 2023 17:04
Quelle: 32Today

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