Deepfake

Künstliche Intelligenz fälscht Stimmen von Drake und The Weeknd – und landet Hit

22.04.2023, 11:06 Uhr
· Online seit 20.04.2023, 09:40 Uhr
Im Netz kursiert ein Song, welcher wie eine Zusammenarbeit zwischen den berühmten kanadischen Musikern Drake und The Weeknd tönt. Die beiden haben mit dem Song aber rein gar nichts zu tun. Ihre Stimmen stammen aus dem Computer, tönen aber wie echt.
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Der Song ist ein Hit und hat auf TikTok innert kurzer Zeit 15 Millionen Klicks generiert. Und das, obschon man den Track aktuell auf kaum einer Musik-Plattform findet – und wenn «Heart On My Sleeve» dann doch einmal auf Youtube auftaucht, dann ist er bestimmt kurze Zeit später wieder verschwunden, nur um bald danach wieder aufzutauchen.

Die Stimmen stammen aus dem Computer

Das Spezielle am Song: Er ist ein sogenannter «Deep Fake» Track – eine Fälschung. Komponiert, kreiert und produziert hat ihn ein Computer mittels künstlicher Intelligenz. Deshalb hört man im Track nicht die weltberühmten Musiker Drake und The Weeknd selber, sondern von künstlicher Intelligenz erzeugte Stimmen, die selbst von Experten kaum von den Originalen zu unterscheiden sind. Die Fans feiern den Track, Kritiker finden ihn «erschreckend gut» und im einen oder anderen Kommentar heisst es sogar, der Gesang sei besser als der vom Original.

Wer neben der künstlichen Intelligenz hinter dem Song steckt ist nicht bekannt. Ein Nutzer namens «ghostwriter» hat ihn auf TikTok hochgeladen. Wer hinter dem Pseudonym steckt weiss man nicht. Im Internet kursieren deshalb die verschiedensten Theorien und Gerüchte, was es mit der Geschichte auf sich haben könnte. Auf Twitter vermutet der Softwareentwickler Mitchell Cohen zum Beispiel eine Marketingkampagne hinter dem Song.

Den Marketing Coup habe aber nicht der kanadische Rapper Drake gelandet, sondern ein kleines Startup, das Dienstleistungen für Musiker auf Social Media anbiete, schreibt Cohen. Ob dem wirklich so ist, ist nicht bekannt. Die von ihm erwähnte Firma hat seinen Tweet aber mit einem Geist-Emoji kommentiert.

Drake ist nicht happy

Wenig Freude am Song hat der Musiker Drake selber. Er findet es alles andere als cool, dass seine Stimme von einem Computer geklont wurde. Seine Plattenfirma hat darauf die grossen Streamingdienste wie Spotify oder Apple Music gebeten, den Song aus dem Angebot zu nehmen. Dazu hat die Musikindustrie die Streaming-Anbieter gebeten, Unternehmen, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten, den Zugriff auf ihre Bibliotheken zu verunmöglichen. Es wird nämlich vermutet, dass die Computerprogramme über diese Plattformen «üben und trainieren», um so Stimmen möglichst nahe am Original kopieren zu können.

Technik ist weiter als Rechtslage

Solche computergenerierten Songs, die tönen wie berühmte Musiker, dürften in Zukunft noch mehr auftauchen. Und da davon auszugehen ist, dass Software und Technik noch besser  werden, wird auch die Qualität der Fälschungen besser und die Unterscheidung zwischen Original und Fälschung wird noch schwieriger. Die originalen Musiker, die Musikindustrie und am Schluss immer wieder auch Anwälte und Richter werden sich künftig mit solchen Musik-Deepfakes auseinandersetzen müssen. Aktuell fehlt es aber an vielen Orten noch an rechtlicher Klarheit, an Gesetzen und auch am Urheberrecht.

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veröffentlicht: 20. April 2023 09:40
aktualisiert: 22. April 2023 11:06
Quelle: 32Today

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32today@chmedia.ch