Der andere Beck

Der «Nacht-Ueli»: Eine Oltner Legende geht in Pension

· Online seit 16.06.2023, 16:38 Uhr
Vor 30 Jahren hatte der Bäcker-Konditor die Idee, den Oltner Nachtschwärmer frischgebackene Brote und Brötchen zu verkaufen – und zwar immer in der Nacht von Freitag auf Samstag. Jetzt wird der stadtbekannte Bäcker pensioniert.

Quelle: 32Today / Jael Fischer / Sandra Hediger

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«pino der andere Beck», so nennt sich die Bäckerei an der Hauptgasse 33 in Olten, in der Ueli Niederhauser seit drei Jahrzehnten arbeitet. In diesem Monat wird er pensioniert. Zeit, dem leidenschaftlichen Bäcker über die Schulter zu schauen und mit ihm zurückzublicken.

Dank Chef zum Namen «Nacht-Ueli» 

Auf die Idee, während der Nacht Backwaren zu verkaufen, ist Ueli schnell gekommen, als er vor 30 Jahren beim pino Beck angefangen hatte. Der kleine Bäckerladen mit Kaffee-Ecke und dem grossen Schaufenster bietet nämlich volle Sicht in die Backstube. Und so kam es, dass die Leute draussen vor der Scheibe standen und dem Bäcker bei seiner Arbeit zuschauten. Der eine oder andere klopfte an die Scheibe, wahrscheinlich weil der feine Duft Lust auf eine der Köstlichkeiten machte.

Der Inhaber der Bäckerei, Daniel Schär, war schnell begeistert von der Idee, freitagnachts die Ladentüre zu öffnen. Er war es auch, der seinem Mitarbeiter den Übernamen  «Nacht-Ueli» gab, er schenke seinem Bäcker gar ein T-Shirt mit dem Aufdruck des Namens, welches Ueli fortan bei der Arbeit freitagnachts trug. Der Rest ergab sich von alleine. Das man jeden Freitag in der Nacht in dieser Bäckerei einkaufen kann, machte in Olten schnell die Runde. Das Angebot wurde in der Stadt gerne in Anspruch genommen und Ueli hat so einige Geschichten mitbekommen. Viele seiner Kunden kennt er beim Namen und die Oltner kennen ihn. Oft hätte sich spätabends eine Schlange gebildet vor der Bäckerei. Ab und an habe es auch «Puff» gegeben, da wären dann Sachen geflogen im Laden, so Ueli. Aber Ueli schickte die Streithähne jeweils raus und die Polizei war dann schnell vor Ort und schlichtete.

«Erst kam ich mir ausgestellt vor»

Nun rückt die Pension näher, aber seine Arbeit bereitet ihm immer noch Spass. Am Anfang war es ein komisches Gefühl, so ausgestellt zu sein in der offenen Backstube, sagt Ueli. Inzwischen habe er sich aber längst daran gewöhnt, wie auch an die Hitze. Es scheint ihm nichts auszumachen mit dem Kopf voran in den raumhohen, über 200 Grad Celsius warmen Backofen zu gehen, um die Brote und das Gebäck rauszuholen. Am allerliebsten habe er «teiget», also Teig zubereitet, sagt der Bäcker ohne zu zögern und die Mehrarbeit in der Freitagnacht habe ihn zusätzlich motiviert. Die ungewöhnlichen Arbeitszeiten die der Bäckerberuf so mit sich bringen, hätten ihm nicht viel ausgemacht. Zum Ausgleich habe er Duathlon betrieben, konnte tagsüber trainieren.

Ausgang ist zu kurz gekommen

Nun ist es bald an der Zeit Abschied zu nehmen. Daniel Schär ist traurig, immerhin sind 30 Jahre eine lange Zeit der Zusammenarbeit. Und auf Ueli habe er sich immer verlassen können, so Schär, kein einziges Mal wäre er zu spät zur Arbeit erschienen. Einen Freitag pro Monat will der Nacht-Ueli weiterhin in der Backstube stehen und wird den Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmern in der Nacht Backwaren verkaufen. Auch wird er Daniel Schär und das Team während ihren Ferien vertreten. So ganz auf Ueli verzichten müssen die Kunden und der Chef also noch nicht. Nun freut sich Ueli aber auf mehr Zeit fürs Wandern und fürs Sport treiben. Auch werde er ab und zu abends in den Ausgang gehen, weil das in den letzten Jahren doch etwas zu kurz gekommen ist.

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veröffentlicht: 16. Juni 2023 16:38
aktualisiert: 16. Juni 2023 16:38
Quelle: 32Today

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