Weltbienentag

Diplomierte Imkerin rät: «Die Menschen sollten ihre Gärten weniger mähen»

· Online seit 20.05.2023, 15:23 Uhr
Regina Meury aus Meltingen ist eidgenössisch diplomierte Imkerin und schreibt regelmässig für die Schweizerische Bienenzeitung. Zum Weltbienentag verrät sie uns, was den Bienen am meisten zu schaffen macht und wie du ihnen am besten helfen kannst.
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Bösewicht Varroamilbe

«Das grösste Problem für die Bienen ist die Varroamilbe», erklärt Regina Meury, eidgenössich diplomierte Imkerin. Die Varroamilbe ist ein Parasit, der die Bienen befällt. Die Milbe vermehrt sich in der Bienenbrut und ernährt sich dort von Bienenlarven. Dabei verbreiten die Milben Viren, an denen die Bienen später sterben können.

Damit die Bienenvölker nicht von Varroamilben befallen werden, brauche es die Imker. «Ohne Imker ist die Honigbiene heute nicht mehr überlebensfähig. Sie würde aussterben.» Die Milbe sei aber nicht der einzige Sündenbock.

«Früher gab es noch die sogenannten Fromentalwiesen, das sind ungemähte Wiesen mit vielen Blumenarten», sagt Meury. Doch dies habe sich im Laufe der Jahre verändert. Die landwirtschaftlichen Flächen würden heute schon sehr früh im Jahr und anschliessend oft gemäht. «Heute redet man von der ‹grünen Wüste›. Das sind Grünlandschaften ohne Blüten.» Die Menschen sollten ihre Gärten weniger mähen und der Natur freien lauf lassen. Ansonsten fänden die Bienen keine Nahrungsquelle mehr. Die berüchtigten Pestizide würden heute kein grosses Problem mehr darstellen, weil sich die Landwirte grösstenteils an die Vorschriften halten, so die Imkerin.

«Wir nehmen den Bienen den Honig nicht weg»

Eine durchschnittliches Bienenvolk produziere im Jahr 60 bis 100 Kilo Honig. Davon würden nur etwa zehn bis fünfzehn Kilo verwendet. «Wir Imker ernten nur den überschüssigen Honig, den die Bienen nicht als Reserve benötigen», so Meury. Honigbienen sind harte Arbeiterinnen, legen sehr weite Distanzen zurück und sind in der Landwirtschaft das drittwichtigste Nutztier.

Bienenhotels bringen nicht viel

Bienenhotels seien schön und man könne so der Natur näher sein. Einen echten Mehrwert für die Bienen würden diese aber nicht bringen, so die diplomierte Imkerin. «Das Problem dabei ist, dass sie sich nur für Wildbienen wie Höhlenbrüter eignen. Diese sind aber am wenigsten gefährdet», erklärt die Imkerin. Am meisten gefährdet sind Bodenbrüter. Für diese Wildbienenart gibt es zu wenig Nistmöglichkeiten. Sie braucht sandigen und lockeren Boden zum Nisten.

«Wenn die heutigen Hobby-Imker nicht mehr imkern würden, hätten wir 80 Prozent weniger Obstbäume, Blütenvielfallt und Gemüse. Wir sind auf die Hobby-Imker angewiesen», sagt Meury.

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veröffentlicht: 20. Mai 2023 15:23
aktualisiert: 20. Mai 2023 15:23
Quelle: 32Today

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32today@chmedia.ch