Balsthal

Doch kein Centravo-Neubau: Gemeinderat erteilt Gestaltungsplan Abfuhr

29.09.2023, 21:00 Uhr
· Online seit 29.09.2023, 11:41 Uhr
Lange Zeit wurde der Centravo-Neubau in der Industriezone Moos kontrovers diskutiert. Anwohnende hatten sogar eine Petition gestartet, um den Bau zu verhindern. Nun muss sich die Fleischverarbeiterin einen neuen Standort suchen.

Quelle: Tele M1

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Bereits Anfang 2023 hatte sich reger Widerstand gegen das Bauvorhaben der Centravo AG im Balsthaler Moos aufgebaut. Anwohnende befürchteten eine erhöhte Lärm- und Geruchsbelastung. Obwohl die Centravo stets beteuerte, dass es keine Geruchsemissionen geben würde, hat der Gemeinderat von Balsthal dem Bauprojekt nun eine Absage erteilt.

«Öffentliches Interesse überwiegt»

Dabei hatte man bislang stets betont, dass man das «zonenkonforme und rechtmässige Bauprojekt» nicht verhindern könne. Nun also die «Rolle-Rückwärts». An einer Sitzung am 28. September entschied man, die Einsprachen gegen das Projekt gutzuheissen. Den Antrag hatte zuvor Mitte-Politiker und Zuständiger für das Ressort Planung Marius Winistörfer in der Gemeinde Balsthal eingereicht.

Er begründet sein Vorgehen mit der veränderten Ausgangslage nach einem Gutachten, das man im Februar in Auftrag gegeben hatte. Dieses stellte nun fest, dass man Geruchsemissionen nicht ausschliessen könne. Ein «Killerargument» aus Sicht Winistörfers. Zum Ergebnis des Gutachtens sagt er: «Das öffentliche Interesse an einer intakten Luftqualität ohne gelegentliche Geruchsimmissionen aus der Tierkörperverwertung überwiegt das private Interesse der Centravo AG bei weitem.»

«Bedenken der Bevölkerung ernst nehmen»

Auch der grosse Widerstand in der Bevölkerung sei ein Thema gewesen, so FDP-Gemeindepräsident Freddy Kreuchi auf Anfrage: «Es ist unsere Aufgabe, die Bedenken der Bevölkerung ernst zu nehmen.» Schliesslich seien insgesamt 29 Einsprachen gegen das Projekt eingegangen. Eine davon gar als Sammeleinsprache mit insgesamt 98 Unterschriften.

Anfang 2023 gründete sich ein Komitee gegen den Neubau und eine emotionale Informationsveranstaltung im Februar half nicht gerade dabei, das Bauvorhaben der Bevölkerung schmackhaft zu machen. Nachdem dann Ende Februar weitere 1000 Unterschriften vom Nein-Komitee gegen den Centravo-Bau eingereicht worden waren, folgte das besagte Gutachten.

Dieses warf aber weitere Fragen auf. Thomas Dobler von der FDP etwa wollte wissen, wie es sein könne, dass der Unverträglichkeitsbericht zu dem Entschluss kommt, dass keine Geruchsemission zu befürchten sei, das Gutachten hingegen anderes voraussagt: «Mangelnde Sorgfalt der Planer? Oder hat Centravo falsche Zahlen geliefert?»

Winistörfer versuchte diese Frage zu beantworten. Der Umweltverträglichkeitsbericht sei weniger detailliert, als das Gutachten. Schliesslich habe man eine Interessenabwägung vorgenommen, an dessen Ende der jetzige Entschluss steht.

«Alles, was wir wollten»

Das Ergebnis freut natürlich das Nein-Komitee. Hans Heutschi, Kopf der Interessengemeinschaft, äussert sich dementsprechend positiv: «Eine Ablehnung ist alles, was wir wollten. Der Gemeinderat hat eingesehen, dass das Vorhaben keine gute Idee war.» Auch SP-Politiker Fritz Dietiker, der ebenfalls Mitglied des Nein-Komitees ist, zeigte sich positiv überrascht. Beide waren an der Sitzung des Gemeinderats ebenfalls anwesend. So, wie insgesamt 13 weitere Gäste. Von Centravo selbst war niemand an der Versammlung zugegen.

Erich Rava, Mediensprecher der Centravo AG, ist sich sicher, dass sein Unternehmen alles dafür getan hat, transparent und lösungsorientiert mit allen Beteiligten zusammengearbeitet zu haben: «Uns war es immer wichtig mit der Gemeinde auf Augenhöhe zu kommunizieren. Das hat eigentlich in den letzten Jahren auch immer sehr gut funktioniert. Umso erstaunter waren wir über den jetzigen Entscheid.» Natürlich gebe es immer zwei Seiten einer Medaille und man akzeptiere nun, dass sich der Gemeinderat in erster Linie für die Interessen der Bevölkerung eingesetzt hätte.

Weiteres Vorgehen unklar

Ganz vom Tisch ist die Sache damit noch nicht, erklärt Freddy Kreuchi: «Die Centravo wird nun den Entschluss auf postalischem Weg erhalten und hat dann natürlich die Möglichkeit dagegen Einsprache zu erheben. Sollte sich die Centravo dazu entscheiden und an dem Projekt festhalten wollen, ist jedoch von Seiten des Gemeinderats klar, dass sie dies gegen den Willen der Planungsbehörde tun wird.» Er betont, dass der Gemeinderat in der ganzen Angelegenheit äusserst genau und gründlich vorgegangen sei. Deshalb habe es am Ende doch noch die Kehrtwende gegeben.

Erich Rava sagte auf Anfrage, dass man noch nicht wisse, wie es nun am Standort Balsthal für die Centravo AG weitergehen wird. Erst einmal wolle man den schriftlichen Bescheid abwarten und das weitere Vorgehen dann intern klären.

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veröffentlicht: 29. September 2023 11:41
aktualisiert: 29. September 2023 21:00
Quelle: 32Today

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32today@chmedia.ch