Mittelland

Kicken im Gehen: In Luterbach findet das erste «Walking Football»-Turnier statt

Fussball, ein Leben lang

Kicken im Gehen: In Luterbach findet das erste «Walking-Football»-Turnier statt

· Online seit 22.09.2023, 11:43 Uhr
Fussballspielen, ohne zu rennen? Für viele wohl eine merkwürdige Vorstellung. Doch genau das ist die Idee hinter «Walking Football». In England wächst die Sportart rasant – nun ist sie auch im Mittelland angelangt. Am Freitag findet in Luterbach ein Turnier statt.
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Stell dir vor, du schaust ein Fussballspiel. Die Spieler und Spielerinnen rennen dem Ball aber nicht hinterher, sondern gehen. Das mag vielleicht im ersten Moment falsch klingen. Ist es dann überhaupt noch Fussball? Marco Egger, Seniorenobmann beim Solothurner Fussballverband, findet: Klar! Er gibt einen Einblick in die (noch) kleine Welt des «Walking Football».

Entschleunigter Fussball

Marcos Leidenschaft für Fussball hat früh begonnen – schon mit fünf Jahren hat er sich für den Ballsport interessiert. Mittlerweile neige sich seine Karriere dem Ende zu und das tue ihm ein bisschen weh, erzählt er. «Eigentlich möchte ich mit dem Fussball alt werden», so Marco.

Fussball ist eine Kontaktsportart. Dadurch besteht natürlich immer auch ein Verletzungsrisiko – das ist besonders in zunehmendem Alter ein grosses Thema. «Wenn man den Sport gesund betreiben möchte, muss man relativ viel investieren», erklärt Marco.

«Die Zahlen zeigen, dass sich Fussballer mit 30 bis 35 Jahren vom Sport zurückziehen und dann das Velofahren oder Golfspielen für sich entdecken», so Marco weiter. Doch ihr Herz würde weiterhin für den Fussball brennen, die Leidenschaft wäre noch da – das Verletzungsrisiko sei aber zu gross. Kein Problem, denn wie für so vieles, gibt es auch dafür eine Lösung. Sie kommt aus England und nennt sich «Walking Football», eine Softvariante des beliebten Ballsports.

Gehen statt rennen, Abstand statt Kontakt

Der Ursprungsgedanke des «Walking Football» ist ganz einfach: Fussball, ein Leben lang. Und das nicht nur als Fan, sondern ganz aktiv als Stürmer, Goalie oder Verteidiger. Die Spielform ist klassischer Fussball, einfach gehen statt rennen und Abstand statt Kontakt. «Als ich das zum ersten Mal hörte, habe ich schon gedacht, dass es dem einen oder anderen ein bisschen den Geist vernebelt hat», lacht Marco. Seine Meinung änderte sich schnell, als er selbst zum ersten Mal «Walking Football» ausprobiert hat. «Das Technische und das Taktische rückt wieder in den Vordergrund», erklärt Marco.

Die Umstellung sei gross, weil das Mindset komplett geändert werden müsse. Während im normalen Fussball auch immer wieder versucht wird, das Spiel über den körperlichen Einsatz zum Beispiel in Zweikämpfen zu beeinflussen, fällt dies im «Walking Football» weg. Eben halt, um das Verletzungsrisiko möglichst zu minimieren.

Ehrgeiz und Geselligkeit

Was passiert aber, wenn ein Spieler trotzdem einen Sprint einlegt? «Das kommt natürlich vor, Stichwort Leidenschaft und Ehrgeiz», so Marco. Es werde aber ein Auge zugedrückt, ist er sich sicher. Denn neben dem sportlichen Aspekt steht natürlich auch der Verein als soziales Gefüge im Vordergrund.

Durch das Angebot des «Walking-Fussballs» müssen Menschen, die aufgrund ihres Alters, gesundheitlicher Probleme oder einer früheren Verletzung nicht auf die Geselligkeit im Verein verzichten. Sie können trotzdem weiter im Team ihren Sport ausüben und aktiv am Vereinsleben teilnehmen. Weniger körperlicher Stress, weniger Intensität und weniger Körpernähe – aber genauso viel Ehrgeiz und Teamgeist.

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Hat das Zukunft?

Die Sportart werde bis anhin noch belächelt – und zwar nicht nur bei den Jüngeren, sondern auch bei den Älteren. «Wenn eine 50+-Mannschaft trainiert, macht sie grundsätzlich nichts Anderes als ‹Walking Fussball›, sind wir ehrlich», sagt Marco lachend. Doch je mehr sich die Sportart etabliert, desto weniger wird dies der Fall sein. Das Turnier in Luterbach soll ebenfalls helfen, die Sportart in der Schweiz zu etablieren. Und wenn Marco träumt, soll ein grosser «Walking Football»-Betrieb entstehen. Realistisch gesehen ist aber der erste Schritt sicher einmal, die bestehenden Vereinsmitglieder wieder auf den Rasen zu bringen. Und eins ist klar: Der Ehrgeiz bleibt – ob gehend oder rennend.

veröffentlicht: 22. September 2023 11:43
aktualisiert: 22. September 2023 11:43
Quelle: 32Today

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