«Das Fass läuft über»

Oberaargauer Bauern protestieren auf Flugplatz Bleienbach

· Online seit 23.02.2024, 12:02 Uhr
Zu viel Bürokratie und zu wenig Geld, das vom Verkauf der Produkte bei den Landwirten landet. Mit dieser Botschaft wenden sich Bauern im Kanton Bern an die Öffentlichkeit. Auch auf dem Flugplatz in Bleienbach wird protestiert. Wir haben mit Beat Schwab, dem Niederbipper Landwirt und Mitorganisator des Protests, gesprochen.
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Herr Schwab, wo drückt der Schuh bei den Landwirten?

Das Fass in der Landwirtschaft ist am überlaufen. Viele machen die Faust im Sack. Wir haben seit zwei Jahren höhere Produktionskosten und können diese nicht weitergeben. Im Laden zahlt der Konsument zwar massiv mehr, davon kommt allerdings bei uns Landwirten praktisch nichts an. Eine gerechte und angemessene Entschädigung ist nicht mehr gegeben. Zudem haben wir jedes Jahr mehr Bürokratie. Uns wurde schon seit langem versprochen, dass die Bürokratie weniger wird, aber das Gegenteil ist der Fall. So kann es nicht weitergehen. Darum haben wir gesagt, jetzt machen wir mal etwas.

Was ist auf dem Flugplatz in Bleienbach konkret geplant?

Es soll ein anständiger Weckruf der Bauern im Grossraum Oberaargau sein. Wir wollen ein Zeichen setzen. Wir werden mit unseren Traktoren auf dem Platz friedlich parkieren. Es werden vor allem Landwirte vor Ort sein, aber sicher auch ein paar Konsumenten. Wir rechen mit 150 bis 200 Personen. Wir vom Organisationsteam werden verschiedene Ansprachen halten. Wir wollen von der Öffentlichkeit gesehen werden. Deshalb werden wir von der Aktion auch Drohnenaufnahmen machen und haben diverse Medien vor Ort, die darüber berichten werden.

Der ganze Protest soll aber friedlich bleiben.

Wir wollen niemanden blockieren oder stören. Wir haben beim Flugplatz offiziell angefragt und werden auch einen Verkehrsdienst organisieren, sodass alles reibungslos abläuft. Auch die Gemeinde und die Polizei sind informiert. Wir wollen, dass die ganze Aktion harmonisch abläuft und am Ende auch jeder wieder friedlich mit seinem Traktor nach Hause fährt. Wir wollen auch nicht mit Transparenten gross bei Passanten auffallen. Die Aktion findet ja auch am Abend statt, wenn es bereits dunkel ist.

Sie wollen nicht stören und machen die Aktion in der Nacht. Haben sie keine Bedenken, dass der Protest so keine Wirkung zeigt?

Das glaube ich nicht. Alleine schon wegen des grossen Medieninteresses an unserem Weckruf. Auch haben wir in den letzten Tagen von Konsumenten sehr viele Reaktionen erhalten. Es ist gewaltig, was im Moment abläuft. Da habe ich gar keine Angst. Wir versuchen es jetzt im ersten Schritt mal so – auf die nette Art.

Und wenn es auf die nette Art nicht funktionieren sollte?

Wir könnten auch anders. Aber wir wollen nichts kaputt machen. Der Konsument muss schlussendlich unsere Produkte ja auch kaufen. Klar könnten wir auch eine Autobahn oder ein Verteilzentrum blockieren, aber ich habe das Gefühl, so wie jetzt erreichen wir mehr.

Sind weitere Aktionen geplant?

Wenn wir damit nichts erreichen und nicht zufrieden sind, dann wäre es eine kurze Sache, mal eine Autobahn oder ein Verteilzentrum zu blockieren. Man muss wissen, jeder Grossverteiler und jeder Laden hat heutzutage nur für ein bis zwei Tage Lebensmittel an Lager. Wenn man mehrere Tage etwas blockieren würde, hätten viele Menschen nichts mehr zu Essen. Dann würden wir sicher gehört. Aber das wollen wir verhindern, weil wir zusammen mit den Konsumenten eine Lösung finden möchten.

Was würden Sie sich als Ziel dieses Weckrufs wünschen?

Wir wollen von den Marktakteuren, der Politik und der Verwaltung Stabilität und Planungssicherheit in der Landwirtschaft – und zwar langfristig, nicht alle zwei oder drei Jahre neue Regeln und Voraussetzungen. Wir wollen weniger administrativen Aufwand und eine gerechte, angemessene Entschädigung für unsere Produkte. Wir wollen einfach mehr Wertschätzung für unsere Arbeit und unsere Schweizer Produkte.

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veröffentlicht: 23. Februar 2024 12:02
aktualisiert: 23. Februar 2024 12:02
Quelle: 32Today

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