Auf die Hörner genommen

Wisent rammte Auto in Deutschland – und im Solothurner Thal?

· Online seit 14.12.2023, 05:34 Uhr
In Deutschland hat im Sommer ein Wisent ein Auto auf die Hörner genommen. Bis es im Thal zu solchen Begegnungen kommen könnte, vergehen aber noch mindestens vier Jahre.
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In diesem August ist es im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen zu einer Begegnung der unangenehmen Art zwischen einem Wisent und einem Auto gekommen. Die grossen deutschen Zeitungen haben über das Rencontre berichtet.

Der Zwischenfall ereignete sich bei Bad Berleburg, wo eine Herde des europäischen Bisons lebt, wie der Wisent auch genannt wird. Die Herde überquerte eine Landstrasse, ein 35-jähriger Autolenker hielt an und liess die Tiere passieren. Als er wieder losfuhr, kehrte eines der Tiere allerdings um und rammte mit dem Kopf die Beifahrertür. Am Wagen entstand Sachschaden, verletzt wurde der Mann nicht.

«Vermutlich fühlte sich der Wisent bedroht»

Im Solothurner Thal lebt seit dem letzten Jahr ebenfalls eine Wisentherde. Projektleiter Otto Holzgang hat vom Zwischenfall in Deutschland gehört, kennt aber keine Einzelheiten. «Die Wisentherde in Nordrhein-Westfalen lebt seit zehn Jahren frei. Meines Wissens gab es bisher zwei Vorfälle». Vermutlich habe wenn sich das Tier bedroht gefühlt. «Vielleicht hat der Autofahrer zu wenig lange gewartet, bevor er wieder anfuhr», mutmasst Holzgang.

Im Thal werden auf jeden Fall noch Jahre vergehen, bis Wisente über eine Landstrasse trotten - wenn es überhaupt dazu kommt. «Erst in der Phase der sogenannten Halbfreiheit könnte das passieren, ab 2027, falls wir dafür eine Bewilligung erhalten», sagt Holzgang. Bis dahin bewegen sich die Wisente in einem Gehege in Welschenrohr. Dieses wird im kommenden Jahr auf 100 Hektaren vergrössert.

Der Wisent polarisiert weiterhin

Laut Projektleiter Holzgang scheidet der Wisent im Thal auch weiterhin die Geister, das habe sich mit der Ansiedlung des Tiers nicht geändert. Es gebe ein Lager der Befürworter und eines der Gegner.

Letzthin kursierten Gerüchte, der Ranger Benjamin Brunner sei von einem Wisent attackiert worden - was er auf Anfrage lachend ins Reich der Erfindungen verweist. Wer das Gerücht gestreut hat, ist unbekannt. Aber die Meinungsverschiedenheiten rund um das urtümliche Tier würden fair und friedlich ausgetragen. «Es gab bisher beim Wisent-Gehege keinen einzigen Fall von Vandalismus», sagt Holzgang.

Einziges Problem – die Distanz wahren

Das Interesse an den Tieren ist sehr gross - besonders seit der Geburt der ersten Jungtiere im Sommer. Viele Leute reisten extra für die Wisente an, das könnte sich bald auch in der Wertschöpfung im ganzen Naturpark Thal niederschlagen, sagt Holzgang. Auch wenn es dazu noch keine belastbaren Daten gibt.

Einziges «Problem»: Einzelne Besucherinnen und Besucher missachten die Verahltensregeln, die an jedem Gatter angeschlagen sind: Sie kommen den Wisenten zu nahe. Und: Hunde müssten zwingend an die kurze Leine, sobald sich jemand ins Gehege begibt.

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veröffentlicht: 14. Dezember 2023 05:34
aktualisiert: 14. Dezember 2023 05:34
Quelle: 32Today

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32today@chmedia.ch