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«Es ist fahrlässig, was passiert»: Das bewegt Franziska Herren zu ihrer neuen Initiative

Wiedlisbach

«Es ist fahrlässig, was passiert»: Das bewegt Franziska Herren zu ihrer neuen Initiative

27.03.2023, 10:26 Uhr
· Online seit 03.03.2023, 14:20 Uhr
Im Jahr 2017 hat die Umweltschützerin Franziska Herren die Trinkwasserinitiative lanciert. Es war einer der emotionalsten Abstimmungskämpfe der Schweiz. Nun ist sie mit einer neuen Initiative zur Ernährungssicherheit zurück. Das sind ihre Beweggründe.
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Die Klimakrise und die damit verbundenen Probleme wie Wasserknappheit und Dürre sind Dauerthemen in der Gesellschaft und den Medien. Dass etwas passieren muss, damit man die Kurve kriegt, ist für viele selbstverständlich. Die Wiedlisbacherin Franziska Herren kämpft an vorderster Front dafür, dass in Bezug auf die Ernährungssicherheit ein Umdenken stattfindet.

Die Produktion der Landwirtschaft sei immer noch auf Pestizide und Kunstdünger angewiesen. Das ergebe keinen Sinn, findet Franziska Herren. Der Fokus solle auf die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität gelegt werden. Ihre neue Initiative will aufzeigen, dass die Ernährungssicherheit davon abhängt, was und wie produziert wird. «So muss unbedingt eine Balance zwischen der Produktion von tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln hergestellt werden», sagt Herren.

Der Fokus aktuell liege noch viel zu stark auf tierischen Lebensmitteln. In der Schweiz gibt es 15 Millionen Nutztiere – das sei ein «ökologisches Desaster», führe zu Überdüngung und habe auch einen negativen Effekt auf das Trinkwasser, so Herren.

Dass zu diesem Thema überhaupt eine Initiative lanciert werden muss, ist für Herren «unglaublich». Seit 2017 ist die Ernährungssicherheit in der Verfassung verankert. Doch die Schweiz sei überhaupt nicht gut aufgestellt.

Zu wenig Ackerflächen?

In erster Linie verlangt die Initiative, dass mehr pflanzliche anstatt tierische Produkte produziert werden. Dies brauche nicht nur viel weniger Land, sondern spare auch Wasser. Durch den Wassermangel hätten die Bäuerinnen und Bauern langfristig gar keine andere Wahl als auf die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln umzusteigen, ist Herren überzeugt. Das Problem liege nicht darin, dass es zu wenig Land gebe, sondern dass die Ackerflächen für die Produktion von tierischen Lebensmitteln besetzt seien.

63 Prozent der Schweizer Bevölkerung esse wegen der Umwelt, dem Tierwohl und der Gesundheit bewusst weniger Fleisch. Der Markt der pflanzenbasierten Ernährung boome, sei jedoch stark von ausländischer Produktion abhängig. Die Schweiz selber stelle keine Rohstoffe für diesen Markt her. Die Initiative möchte dies fördern – auch mit Subventionen.

Herren hat den Eindruck, dass sich die Gesellschaft der Klimakrise und deren Folgen viel mehr bewusst sei als dies in der offiziellen Agrarpolitik zum Ausdruck komme. Einen zusätzlichen Faktor sieht sie in der Werbung: Der Konsum von Fleisch wird ihrer Meinung nach viel zu stark beworben. Der Fokus solle mehr auf der pflanzlichen Ernährung liegen, da diese nicht nur gesünder, sondern auch ressourceneffizienter sei, so Herren.

Zuspruch und Dankbarkeit

Angst vor einem ähnlichen Szenario wie bei der Trinkwasserinitiative hat Herren dieses Mal nicht. Damals wurde sie verbal angegriffen, erhielt sogar Morddrohungen.

Bis jetzt habe sie noch keinen einzigen negativen Anruf erhalten. Das war bei der Trinkwasserinitiative von Beginn an anders, dieses Anliegen polarisierte von Anfang an. Das Gegenteil sei nun der Fall, sie erhalte viel Zuspruch und erfahre Dankbarkeit, dass sie ein solch wichtiges Thema aufgreift.

Aus landwirtschaftlichen Kreisen scheint die Initiative aber auf wenig Gegenliebe zu stossen. Sie sei ein Zeichen dafür, wie wenig die Gesellschaft über die Landwirtschaft wisse, sagen etwa Ostschweizer Bauern. Ein grosser Teil der landwirtschaftlichen Fläche der Schweiz könne nur für Tierfutter sinnvoll genutzt werden, etwa die gesamte Alp- und Graswirtschaft.

Ab Montag liegt der Initiativtext bei der Bundeskanzlei zur Überprüfung. Anschliessend geht es rund zwei Monate, bis die Unterschriftensammlung gestartet werden kann. Um die nötigen 100'000 Unterschriften zu sammeln, hat Franziska Herren dann 18 Monate Zeit.

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veröffentlicht: 3. März 2023 14:20
aktualisiert: 27. März 2023 10:26
Quelle: 32Today

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