Maitannli

Nun steht doch noch ein Bäumli: Bellacher wehren sich gegen das Sterben einer Tradition

08.05.2023, 16:18 Uhr
· Online seit 08.05.2023, 15:17 Uhr
Ehemalige und aktuelle «Stäcklibuebe» haben sich zusammengetan und mit etwas Verspätung in Bellach doch noch ein Maitannli gestellt. Es sei auch ein Zeichen dagegen, die Traditon sterben zu lassen.
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Keine «Stäcklibuebe» – keine Maitannli: Die Tradition zum 1. Mai fiel heuer in Bellach aus. Jedenfalls fast. Denn ein Team aus zwölf Personen hat sich zusammengerafft und mit Verspätung doch noch ein Bäumchen in der Dorfmitte gestellt.

Der Initiant mit Jahrgang 1996, Rino Leimer, war enttäuscht, am 1. Mai kein einziges Maitannli im Dorf zu sehen. Denn die letzten Jahre gab es immer «Stäcklibuebe», die den Frauen aus demselben Jahrgang ein Tannli in den Garten stellten. Dieses Jahr wäre der Jahrgang 2004 an der Reihe gewesen. «Wir haben uns gedacht: Unsere Nachbargemeinden schaffen es schliesslich auch, jedes Jahr Tannli zu stellen», sagt Leimer. Deshalb habe die Gruppe dem Dorf zeigen wollen, dass junge Leute durchaus Interesse am Dorfleben haben und dieses fördern können und wollen.

Eine Nacht-und-Nebelaktion

Noch am Morgen des 1. Mai habe er seinen Bruder und einen Freund angerufen und ihnen seinen Plan geschildert: Zumindest ein Maitannli soll es in der Dorfmitte geben. Die Gruppe habe ihr Netzwerk mobilisiert und schlussendlich eine Whatsapp-Gruppe gegründet, um alles weitere zu organisieren. Schon am Abend haben sich zwölf Personen zusammengefunden, mit Jahrgängen zwischen 1987 bis 2004. Gar ein Traktor für den Transport konnte organisiert werden. «Wir sind alle der Meinung, dass wir diese Tradition erhalten müssen», schildert Leimer.

Gestellt wurde das Tannli dann in der Nacht auf den letzten Freitag. «Zwei von uns haben auch noch Grillwürste und Bier organisiert – so hatten wir am Ende ein kleines Fest», sagt Leimer. Nun steht das Haupttannli gegenüber der Gemeindeverwaltung und ist kaum zu übersehen. Ein Schild prangt an der Baumkrone, mit der Aufschrift «Tradition lebt!»

Gemeinde begrüsst Aktion

Von der Einwohnergemeinde Bellach gebe es noch keine offizielle Stellungnahme zu dieser Nacht-und-Nebelaktion. «Wir haben aber schon hinten durch vernommen, dass die Gemeinde die Aktion cool findet», so der Initiant.

Die Einwohnergemeinde Bellach unterstützt das Brauchtum generell, geht aber nicht aktiv auf die Jungbürgerinnen und Jungbürger zu. Das ist Sache des jeweiligen Jahrgangs. Dieses Jahr habe sich niemand bei der Gemeinde gemeldet, wie Gemeindepräsidentin Lea Schluep-Stüdeli auf Anfrage sagt.

Das auf einem Bellacher Kreisel platzierte «Gasttannli» aus Selzach musste nach nur einem Tag wieder gefällt werden. Der Fäll-Befehl kam von der Kantonspolizei Solothurn, da das Bäumchen ein Risiko für den Strassenverkehr gewesen sei. Die Aktion von Rino Leimer und seiner Gruppe sei nicht per se gegen den «Fäll-Befehl» gerichtet gewesen. Doch sie unterstreiche, dass man auch in Bellach findet, dass gewisse Traditionen bewahrt werden sollen. «Es war die letzten Jahre nie ein Problem, auf diesem Kreisel ein Gasttannli zu stellen», kommentiert Leimer vielsagend.

veröffentlicht: 8. Mai 2023 15:17
aktualisiert: 8. Mai 2023 16:18
Quelle: 32Today

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