Qualitätsunterschiede

Warum kosten Obstbäumchen beim Gärtner mehr als im Baumarkt?

· Online seit 29.07.2023, 19:23 Uhr
Zum Gärtner oder doch lieber in die Gartenabteilung eines Baumarktes? Wer ein Obstbäumchen kaufen will, hat die Qual der Wahl. Manchmal entscheidet die Distanz zum Geschäft und manchmal der Preis – da gibt es zum Teil grosse Unterschiede für das gleiche Produkt. Weshalb?
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Lust auf einen Apfel aus dem eigenen Garten? Damit man möglichst lange Freude am eigenen Obst haben kann, kommt es auf einiges an. So ist es nebst der richtigen Jahreszeit zum Einpflanzen des Jungbaums auch nicht ganz unrelevant, wo man das Obstbäumchen her hat.

Apfelbaum ist nicht gleich Apfelbaum

Klar ist der Preis für das selbe Produkt in Gärtnereien oder Baumschulen etwas höher als etwa in der Landi oder in der Gartenabteilung von Hornbach. Aber Apfelbäumchen ist nicht gleich Apfelbäumchen. Was auf den ersten Blick nicht sichtbar ist – es gibt tatsächlich einen Unterschied. In der Today-Redaktion haben wir darüber diskutiert, wieso bei manchen die Obstbäume gut gedeihen, während sie bei anderen eingehen. Bei fast der gleichen Pflege, wohlverstanden. Wir haben einen Hinweis bekommen und sind dem nachgegangen.

Bäume werden veredelt

Anscheinend machen sich Baumschulen oder Gärtner die Technik der Okulation zu Nutze. Das ist eine Art der Pflanzenveredelung. Das Prinzip dabei ist, dass zwei Pflanzenteile mit unterschiedlichem Erbgut zusammengeführt werden und miteinander zu einer neuen Pflanze verwachsen. Wir haben Philipp Uebersax gefragt, ob es stimmt, dass man junge Obstbäume auf Wurzeln von anderen Bäumen «pfropft», damit sie stabiler sind: «Das stimmt» so der Fachmann, «so will man bewirken, dass der Baum die Eigenschaften des anderen annimmt» sagt er weiter. Uebersax ist Berater und Verkäufer der Ingold Baumschulen AG in Bützberg.

Besserer Geschmack und mehr Ertrag

Auch die Unterlage, auf welche man den Baum stellt, spiele hier natürlich eine Rolle, sagt Philipp Uebersax: «So kann der Wuchs der Pflanze gesteuert werden, dass heisst, sie wächst langsamer oder schneller». Nicht zuletzt habe die Okulation auch einen Einfluss auf die Frucht, denn durch die Veredelung bekomme sie einen besseren Geschmack und auch die Grösse lasse sich beeinflussen.

Uebersax ergänzt: «Wichtig ist, dass es sich bei den Wurzeln und dem Trieb um die gleiche Baumart handelt. Es ist beispielsweise nicht möglich, eine Birne auf einen Apfel zu okulieren. Allerdings gibt es Ausnahmen. Quitte und Birne lassen sich zum Beispiel kombinieren.»

Okulierte Bäume aus einheimischer Produktion kosten mehr

Doch auf was sollte man eigentlich als Laie achten, wenn man sich einen Baum für den eigenen Garten zulegt? Lars Sommer von der Anderegg Baumschulen AG sagt: «Mut haben und einfach mal ausprobieren. Gärtnern ist keine Hexerei.» Damit die Erfolgschancen steigen, sollte man jedoch auf einige Faktoren achten. Auch die Okulation spielt da eine Rolle.

Zwar könne man nicht pauschal sagen, dass okulierte Pflanzen eine längere Lebensdauer garantieren, dennoch gelten für diese höhere Standards.

Und das ist auch der Grund dafür, warum man für Bäume aus einer Baumschule oder einer Gärtnerei ein paar Franken mehr bezahlt, als in der grossen Baumarktkette. Diese würden oftmals aus dem weit entfernten Ausland importiert und eine deutlich niedrigere Qualität und Reinheit aufweisen.

«Mit Spass an die Sache herangehen»

Eine Erfolgsgarantie für den perfekten Garten gibt es dennoch nicht. Es spielen viele Faktoren eine Rolle wie Wind, die Bodeneinstrahlung, die Wasserzufuhr, oder die Sonneneinstrahlung. Obwohl es kein Patentrezept gibt, ist Sommer überzeugt: «Jeder kann sich einen grünen Daumen aneignen. Man darf nur nicht aufgeben und muss mit Spass an die Sache herangehen.»

(she/ben)

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veröffentlicht: 29. Juli 2023 19:23
aktualisiert: 29. Juli 2023 19:23
Quelle: 32Today

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