Solothurner Filmtage

«Wir lassen die Männer nicht im Stich!» – Film zu Geiseldrama feiert Premiere

· Online seit 20.01.2024, 12:20 Uhr
«Swissair 100 – Geiseldrama in der Wüste» heisst der Dokumentarfilm, der die Entführung von fünf Flugzeugen 1970 aufarbeitet. Der Film wurde am Freitagabend an den Solothurner Filmtagen das erste Mal gezeigt. Mit dabei sind drei Crewmitglieder, die als Geiseln gehalten wurden.
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150 Filmproduktionen werden an den Solothurner Filmtagen teilweise zum ersten Mal vor Publikum gezeigt. Am Freitag feierte der Dokumentarfilm «Swissair 100 – Geiseldrama in der Wüste» seine Premiere. Dafür hat die Filmproduktionsfirma «Hook Film» viele Szenen der Entführung nachgestellt. Jedoch fliessen auch Originalaufnahmen und Berichte von drei der damals als Geiseln gehaltenen Schweizer Passagiere in das Werk mit ein.

Freiwillig länger eine Geisel geblieben

Eine dieser Geiseln ist Brigitte Moser-Harder. Sie war Stewardess auf dem Flug 100 der Swissair. «In den ersten Momenten der Entführung hatten alle ein sehr ungutes Gefühl. Weil sich die Crewmitglieder aber im Flugzeug bewegen durften, verflog die Angst», sagt sie. Insgesamt eine ganze Woche wurde sie mitten in der Wüste in dem Flugzeug gefangen gehalten – und das, obwohl sie bereits nach einer Nacht hätte gehen dürfen. Die Terroristen liessen nämlich bereits am zweiten Tag der Entführung Frauen und Kinder frei. Eingeschlossen waren auch alle weiblichen Crewmitglieder. Brigitte hatte sich aber zusammen mit ihren Kolleginnen entschieden, zu bleiben.

Also blieben sie, bis sie sechs Tage später mit allen anderen Geiseln freigelassen wurden. Brigitte sagt, sie sei einfach nur erleichtert gewesen, hat aber kein schlechtes Gefühl aus der Entführung mitgenommen. Bereits kurze Zeit später hat Brigitte noch für rund 35 Jahre als Stewardess gearbeitet. Aus den Gefangenen wurde eine Schicksalsgemeinschaft, welche bis heute in Kontakt miteinander ist. Die Anfrage, ein ausführliches Interview zu den Ereignissen für «Swissair 100 – Geiseldrama in der Wüste» zu geben, hat sie sofort begeistert. Jetzt freue sie sich riesig, den Film das erste Mal zu sehen.

Schule für Filmtage geschwänzt – und aufgeflogen

Genau so sieht das der Produzent des Filmes, Laurin Merz. Rund fünf Jahre hat es von der ersten Idee, bis zur Premiere gedauert. Dabei ist es für ihn etwas sehr Besonderes, dass sein Film gerade an den Solothurner Filmtagen die Premiere feiert.

Dass sein Film gerade dieses Ereignis aufarbeitet, sei dabei kein Zufall. Ihm sind besonders die Fotos der brennenden Flugzeuge im Kopf geblieben. Weil er von einem Treffen der ehemaligen Geiseln gehört hatte, entschied er zusammen mit Regisseur Adrian Winkler, dass die Entführung der Swissair-Maschine in ihrem nächsten Film die zentrale Geschichte sein soll. 

Der aktuell wieder eskalierende Konflikt in Gaza habe ihn daran erinnert, dass bereits 1970 die gleichen Nationen involviert waren. Er glaubt, dass auch deswegen das Interesse am Film sehr gross ist. Bereits im Vorfeld sei klar gewesen, dass die Sitzplätze in der Reithalle zur Premiere knapp werden könnten.

Weitere Infos, sowie das komplette Programm, findest du auf der Website der Filmtage.

veröffentlicht: 20. Januar 2024 12:20
aktualisiert: 20. Januar 2024 12:20
Quelle: 32Today

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