«Ferrari ist bestellt»

Sänger Ritschi spottet auf Instagram über Mini-Abrechnung von Spotify

01.10.2023, 09:19 Uhr
· Online seit 29.09.2023, 17:22 Uhr
«Gerade meine Spotify Abrechnung bekommen! Ferrari ist bestellt», das schreibt Musiker Ritschi auf seinem Instagram-Profil. Vier Rappen weist die Abrechnung für den Mundartsänger aus Interlaken aus. Die gesamten Einnahmen auf der Streamingplattform sind zwar höher, aber immer noch bescheiden.
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Der Post von Ritschi löst einige Reaktionen in den Kommentaren aus. Eine Userin schreibt: «Einfach nur traurig, dass Musik zwar angehört wird, aber die Künstler davon trotzdem nichts haben.» Ein anderer User meint, Ritschi solle es aus einer anderen Perspektive sehen: «Zuviel Geld verdirbt ohnehin nur den Charakter.»

Der ehemalige Sänger der Band «Plüsch» führt weiter aus: «Kommt einfach an eine meiner Herbstshows. Da haben alle was davon.» In der Tat irritieren die Summen, die Ritschi mit seinen Songs auf Spotify generiert. Sind das wirklich nur vier Rappen?

Ritschi selber sagt auf Anfrage von Today, die vier Rappen seien natürlich nicht die gesamten Einnahmen, die er auf Spotify mit seiner Musik erzielt habe. Die von ihm gepostete Abrechnung betreffe einen bestimmten Abrechnungszeitraum von zwei älteren Alben. Genauer könne er das aber nicht sagen. Natürlich verdiene er auf Spotify aber schon etwas mehr als nur vier Rappen.

Ein paar Tausend Franken pro Jahr nach 22-jähriger Karriere

Er verdiene pro Jahr ein paar Tausend Franken auf Spotify, sagt Ritschi im Interview. «Aber ich habe aktuell ein neues Album am Start und ich kann auf eine 22-jährige Karriere zurückblicken. Es laufen auf den Streamingplattformen über 100 Songs von mir mit. Da müsste ich mit meiner Musik in einem Jahr doch mehr verdienen als 6000 Franken.»

Heute so glücklich, wie noch nie

Ritschi sagt, er könne heute dank verschiedener Standbeine gut leben. Sponsoring, Konzerte oder Referate seien wichtige Einnahmequellen. Er wolle auch nicht jammern. «Ich bin im Moment so glücklich wie noch selten in meinem Leben, weil ich heute nur noch das mache, was ich gut finde – und das ist vor allem live spielen, vor Leuten, die mich  sehen wollen».

Natürlich gäbe es auch Konzerte, bei denen er vor zu wenigen Leuten auf der Bühne stehe und merke, dass er draufzahlen müsse. Bei solchen Gelegenheiten habe er seinem Publikum auch schon mal Danke gesagt, dass sie alle ein Ticket gekauft haben.

Schweizer Mundartkünstler auf internationale Playlisten setzen

Nichtsdestotrotz sind die Einnahmen durch Streaming (zum Beispiel auf Spotify) speziell für Schweizer Mundartkünstler wie Ritschi sehr bescheiden. Sie decken den finanziellen Aufwand, den die Künstler für die Produktion der Songs und Alben haben in keinster Weise. Ritschi sähe aber durchaus Möglichkeiten, wie sich die Situation für die Künstler verbessern könnte. «Es wäre wichtig, dass Songs von Schweizer Mundartkünstlern auch auf internationalen Playlisten der Streamingdienste auftauchen würden: also auch auf der Love-Songs-Playliste oder der Coffehouse-Playliste.» Die Playlisten von Spotify würden in Deutschland zusammengestellt. Dort kenne man aber die Schweizer Mundart-Künstler halt kaum.

Einen zweiten Punkt für die Verbesserung der Situation sieht Ritschi in der Verteilung der Einnahmen, die Spotify durch die Abonnemente erzielt. Davon fliesse kaum etwas in die Schweiz - und es gäbe sicher Menschen, die extra wegen ihm ein entsprechendes Abo abgeschlossen hätten, damit aber auch Ed Sheeran hören würden, sagt er.

Internet Anbieter in die Pflicht nehmen

«Ich bin auch der Meinung, dass die Anbieter von Internet-Zugängen einen Bruchteil ihrer Einnahmen an die Schweizer Künstler weiter geben müssten. Schliesslich können die Leute dank diesen Leitungen überhaupt erst Musik streamen. Eine Verteilung dieser Gelder an die Musiker wäre über die SUISA problemlos möglich.» Solche Veränderungen müssten aber durch die Politik initiiert werden. Leider hätten die Künstler dort trotz gemeinsamen Verbänden aber immer noch zu wenig Einfluss, sagt der Berner Musiker weiter.

Auf seinen Post auf Social Media vom Donnerstag habe er viele Reaktionen bekommen, sagt Ritschi. Zum einen hätten verschiedene Medien für ein Interview angefragt, zum anderen hätte es viele Kommentare darauf gegeben. «Unter anderem hat ein Popstar aus Deutschland darunter geschrieben, dass ich ihm doch auch gleich einen Ferrari bestellen solle, wenn ich schon dabei sei. Ein gewisser Sarkasmus ist schon vorhanden in der Szene», sagt Ritschi.

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veröffentlicht: 29. September 2023 17:22
aktualisiert: 1. Oktober 2023 09:19
Quelle: 32Today

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32today@chmedia.ch