Streit im Paradies

«Ich kann es ja einfach laufen lassen» – darf man ins Meer pinkeln?

· Online seit 13.07.2023, 19:04 Uhr
Wer kennt es nicht? Man ist in den Ferien in irgendeinem mediterranen Land. Für mich und meine Frau ging es in diesem Sommer auf die Mittelmeerinsel Malta. Man hat eine gute Zeit, geniesst die Sonne, den Strand, das Meer. Doch dann kommt der Moment: Ein Streit bricht aus.
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Eine der Touristenattraktionen auf Malta ist die zwischen den Hauptinseln Malta und Gozo gelegene kleine Insel Comino. Nicht die Insel an sich ist die Attraktion, sondern die sogenannte «Blue Lagoon». Eine wunderschöne Lagune, die durch ihr besonders blaues Wasser besticht, das man sogar aus dem Flugzeug erkennt und in der man ohne weiteres schwimmen gehen kann.

Für meine Frau und mich war am vierten Tag unseres Malta-Trips also klar, dass auch wir dieses Highlight mitnehmen wollten. Mit dem Bus ging es erst einmal rund eine Stunde bis an den Fährhafen und von dort noch einmal rund 20 Minuten mit dem Boot auf das kleine Eiland Comino.

«Ich muss aufs Klo!»

Dort angekommen rissen wir uns bei satten 35 Grad und nicht vorhandenem Schatten sogleich die Kleider vom Leib und suchten die Abkühlung im Meer. Der Spot war mehr als gut besucht, es blieb kaum Platz dafür, die eigenen Habseligkeiten irgendwo zu platzieren. Das Meer war voller menschlicher Körper, die versuchten, sich aneinander vorbei zu schlängeln, als meine Frau die verheerenden Worte sprach: «Ich muss aufs Klo!»

Klar, kein Problem, dachte ich mir und erwiderte: «Da oben sind ja Toiletten.» Doch dann ging es los und es folgten die Sätze, die mich erschütterten: «Ach was, wir sind ja im Meer. Ich kann ja einfach laufen lassen.»

Hitzige Diskussionen

«Das ist ja wohl nicht dein Ernst!» erwiderte ich sofort in scharfem Ton. Was man erklärend anmerken muss: Sowohl meine Frau als auch ich sind ausgewiesene Dickköpfe, die sich nur schwer von ihrer Meinung abbringen lassen. Dementsprechend entwickelte sich in den nächsten Minuten eine hitzige Debatte, wie sie wohl noch nie zwischen zwei Badenden in irgendeinem der sieben Weltmeere geführt wurde.

Über den Ausgang des Schlagabtauschs hülle ich den Mantel des Schweigens. Dennoch bleibe ich bei meiner Meinung: ins Meer zu pinkeln, wenn sich Dutzende andere Personen in der Nähe befinden, ist «grusig». Oder mache ich das Problem grösser, als es ist?

Die Situation ist unklar

Auch die Experten sind sich uneins. Einerseits wird das Urinieren in Salzwasser als völlig unbedenklich angesehen. Anders als im Pool, wo der Urin mit den hinzugefügten Chemikalien reagieren und sich schädliche Stoffe bilden könnten, kann man sich im Meer unbedenklich erleichtern.

Für die Wasserflora- und Fauna sieht das Ganze schon etwas anders aus. Denn Urin kann zu einer Belastung der Meeresbewohner führen. In Thailand führte das vor einigen Jahren gar dazu, dass ein Strand geschlossen wurde, damit sich das örtliche Korallenriff erholen konnte. Die täglich Tausenden von Besuchenden hatten sich schlicht so häufig im Wasser erleichtert, dass das Riff in Gefahr geriet. Der Münchner Merkur berichtete damals. Solche Fälle sind jedoch selten.

Aus meeresbiologischer Sicht ist es also vertretbar, im Meerwasser einfach mal laufen zu lassen. Verboten ist es an den meisten Orten sowieso nicht. Aber liebe Leute, ist es wirklich in Ordnung inmitten von zahlreichen anderen Leuten, während man eine Badehose oder einen Bikini trägt, seinen Trieben freien Lauf zu lassen? Ist das ethisch vertretbar? Ich sage entschieden: «Nein!» und bleibe dabei: ins Wasser pinkeln, egal wo, ist «grusig» und gehört sich nicht.

Was ist deine Meinung? Schreib es in die Kommentare!

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veröffentlicht: 13. Juli 2023 19:04
aktualisiert: 13. Juli 2023 19:04
Quelle: 32Today

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32today@chmedia.ch