Rehkitze

Mit Drohnen auf Rettungsmission in Selzach

18.06.2023, 11:34 Uhr
· Online seit 17.06.2023, 12:21 Uhr
Während viele noch schlafen, stehen Drohnenpiloten bereits in den Feldern. Sie suchen nach Rehkitzen, um diese vor dem Mähtod zu retten. Einer von 16 Drohnenpiloten im Kanton Solothurn ist Anton Pürro. Er nimmt uns mit auf eine Rettungsmission in Selzach.
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An diesem Donnerstagmorgen um 06.30 Uhr trifft man sich in Selzach, dort, wo sich Fuchs und Reh guten Morgen sagen. Tatsächlich tauchen frühmorgens am Waldrand nahe dem «Vogelhüsli» zwei neugierige Rehe auf und ein Fuchs lässt sich nahe des Feldweges blicken. Etwas versteckt beim Waldeingang steht Drohnenpilot Anton Pürro. Er ist hier auf einer Rettungsmission.

Anton Pürro ist einer von 16 freiwilligen Drohnenpiloten im Kanton Solothurn. Er steht auf Abruf bereit, sollten sich Landwirte melden und wünschen, dass ihre Felder vor dem Mähen nach Rehkitzen durchsucht werden. Wie das Pikettsystem zwischen den Drohnenpiloten funktioniert, erfährst du hier.

Allein geht das Absuchen der Felder allerdings nicht. Pürro zu Hilfe steht Dino Paratore. Er würde ins Feld steigen, sollte ein verdächtiger Punkt auf dem Bildschirm gesichtet werden. Der Bildschirm ist mit der auf der Drohne befestigten Wärmebildkamera verbunden. Die zwei Männer machen das freiwillig und im Auftrag der Regionalplanungsgruppe (Repla).

Schon frühmorgens unterwegs

Es ist nicht das erste Feld, welches die beiden an diesem Tag abgesucht haben. Um 04.30 Uhr waren sie bereits in Grenchen. Dort konnte die Gruppe zwei Rehkitze aus ihrem Versteck holen und sie vor dem Mähtod retten:

Quelle: zVg

Insgesamt musste Pürro an diesem Tag fünf Felder abfliegen. Dazu sagt er: «Für solche Einsätze muss ich um vier Uhr morgens aufstehen.» Der Drohnenflug muss früh erfolgen, noch vor Sonnenaufgang. Denn je heller es wird, desto schwieriger wird es, Rehkitze auf dem Wärmebild zu erkennen.

Anton Pürro programmiert die Drohne und definiert die genauen Punkte auf dem Feld, welche die Drohne abfliegen soll. Dann startet er das Flugobjekt. Es summt und brummt und die Drohne steigt auf. Im Steuergerät ist ein Bildschirm eingebaut, auf diesem kann er nachverfolgen, welche Punkte die Drohne abfliegt. Derweil blickt Dino Paratore konzentriert auf den separat aufgestellten Bildschirm. Er muss wachsam sein und bei hellen Punkten auf dem Bild sofort reagieren. Beim Fliegen muss einiges beachtet werden. Konzentration ist gefragt, damit man nicht «in einen Baum fliegt», wie Pürro sagt. Auf dem Boden gilt es zudem Abstand zur Drohne zu halten, wenn sie abhebt oder landet.

Action während Drohnenflug

Kein Rehkitz wurde auf dem ersten Feld gesichtet – auch das kommt vor. Viel Zeit zum Überlegen besteht nicht, denn die Zeit ist knapp. Pürro und Paratore müssen zur nächsten Station. Auch hier dasselbe Spiel: Die Drohne wird programmiert, gestartet und übers Feld manövriert. Doch dann fährt ein Traktor mit der Mähmaschine vor. Ein Landwirt will sein Feld mähen. Dino Paratore bewahrt Ruhe, erklärt dem Landwirt, dass er sich mit dem Mähen noch etwas gedulden muss. Der Landwirt reagiert verständnisvoll und gelassen.

Laut Anton Pürro sei eine enge Kommunikation mit den Landwirten von Anfang an essenziell. «Die Landwirte melden uns, wann sie mähen wollen. Wir vereinbaren dann mit ihnen, wann wir fliegen», erklärt er.

Ist da was im Feld?

Auch beim zweiten Feld konnten Anton Pürro und Dino Paratore kein Rehkitz entdecken. Sogleich geht es in den unteren Teil des Dorfes, zur letzten Station. Kurz nachdem Pürro die Drohne gestartet hatte, meldet sich Dino Paratore: «Da ist doch etwas!» Er deutet mit dem Finger auf einen weissen Fleck auf dem Wärmebild. Anton Pürro reagiert sofort, indem er die Drohne ein paar Mal hin und her fliegen lässt. Doch plötzlich ist man sich unsicher: Ist da wirklich etwas auf dem Feld? Dino Paratore entschliesst sich kurz nachzusehen und stapft in das Feld. Vorsichtig watet er durch das hohe Gras. Nach einigen Minuten kommt er zum Schluss: «Hier ist nichts. Es kann aber auch sein, dass ein Rehkitz kurzerhand aus dem Feld gesprungen ist.»

An mehreren Standorten kein einziges Rehkitz zu entdecken sei nicht unüblich. Dazu erklärt Pürro: «In unserer Region ist der Rehbestand eher schwach, demzufolge gibt es weniger Kitze.» Trotz der geringen Rate: Mit ihrer Arbeit in Grenchen und Selzach sind Anton Pürro und Dino Paratore zufrieden.

veröffentlicht: 17. Juni 2023 12:21
aktualisiert: 18. Juni 2023 11:34
Quelle: 32Today

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