Nasses Wetter

Schneckenfrass, Pilzbefall und wucherndes Unkraut machen Bauern zu schaffen

11.05.2023, 19:34 Uhr
· Online seit 11.05.2023, 15:27 Uhr
Der diesjährige Frühling zeigt sich durchwachsen, wenig stabil und vor allem nass. Die Prognosen für die nächsten Tage sehen nicht besser aus, im Gegenteil. Die Bauern im Mittelland bleiben trotzdem optimistisch.
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Wenn es zu trocken ist, haben die Bauern ein Problem. Aber auch, wenn es zu nass ist. Zu viel Wasser ist für viele Landwirte schlimmer als zu wenig. Wasser tut dem Boden und den Pflanzen zwar gut, aber wenn es zu «pflotschig» ist, trübt das die Freude vieler Bauern. Diesen April hat es einen Drittel mehr geregnet als die Jahre zuvor, und der Mai zeigt sich bis auf weiteres ebenso von seiner regnerischen Seite.

Schwierig für Kartoffeln, Zuckerrüben und Weidehaltung

«Gerade für die Tierhalter ist es aktuell schwierig, die Tiere auf der Weide zu haben. Die Tiere können mit ihren vier Beinen viel kaputt machen», erklärt Edgar Kupper, Präsident des Solothurner Bauernverbandes auf Anfrage. Hans Hofer vom Birlihof im bernischen Melchnau lässt seine Rinder aktuell auch nur zeitweise auf die Weide, da das satte Grün sonst zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wird.

Für diejenigen Bauern, die Pflanzen anbauen, ist die Nässe vor allem in Bezug auf die Zuckerrüben und Kartoffeln eine Herausforderung. Die Zuckerrübenpflanze wachse nur langsam, was dazu führe, dass sie anfällig für Schneckenfrass werde, sagt Kupper. Dem Mais, der vielerorts noch gar nicht im Boden ist, bleibt noch etwas Zeit für ein schönes Wachstum. Wenn aber zum Beispiel Kartoffeln zu spät in den Boden kommen, sind sie im Spätsommer nicht rechtzeitig bereit für die Ernte. «Und viel Feuchtigkeit bedeutet auch Gefahr für Pilzbefall», erklärt Kupper.

Schnecken und Pilze lieben das nasse Wetter

Für den Melchnauer Spargelbauer Hans Hofer ist das nasse Wetter vor allem in Bezug auf die grosse Anzahl Schnecken ein Problem. Da er aber keine Grossproduzenten beliefert, sei das nicht dramatisch. In kleineren Läden und seinem eigenen Hofladen werden kleine «Schneckenfrasse» verziehen.

Hofer baut auf seinem Hof auch Heilkräuter an. Dort ist die Nässe für ihn eine grössere Herausforderung. Die Bedingungen für Unkraut sind in Kombination mit den warmen Temperaturen sehr günstig. Es wächst schnell, und durch den zu nassen Boden kann Hofer das Unkraut nicht wie gewohnt in einem frühen Stadium mit Maschinen entfernen, sondern erst später von Hand. Das erzeugt massiv mehr Arbeit.

Das Erntejahr 2023 ist noch nicht verloren

Das Jahr 2023 ist für die Bauern aber noch sehr jung. «Wenn wir 20 bis 30 Jahre zurückschauen, wäre das ein ganz normales Frühjahr», so Kupper. Durch die Klimaerwärmung habe sich der Frühling in den letzten Jahren immer früher warm und sonnig gezeigt. Gemessen an dieser Tatsache entstehe nun der Eindruck, es wäre schon zu spät. Dem sei aber nicht so. Das bestätigt auch Hofer: «Wir wurden in den letzten Jahren mit dem Wetter verwöhnt».

«Apröue Göue düet d Schüüre föue» lautet eine Bauernregel. Im praktischen Sinne heisst das: Viel Regen bedeutet auch eine schöne Ernte. Anfang des Jahres sei es viel zu trocken gewesen, den Niederschlag hätte es jetzt gebraucht, so Kupper. «Die Ausgangslage ist gut, auch wenn sie mit ein paar Herausforderungen verbunden ist». Dafür brauche es aber durchaus zwischendurch wieder ein paar trockenere Tage.

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veröffentlicht: 11. Mai 2023 15:27
aktualisiert: 11. Mai 2023 19:34
Quelle: 32Today

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